Dienstag, 1. Mai 2012
Auf den Spuren des Mondes mit Bernd Brunner
Der Mond gehört allen
Von der Faszination des Mondes in Technik und Mythos
Neil Armstrong und Edwin Aldrin betraten am 21. Juli 1969
als erste Menschen den Mond. Das Raumschiff der USA, das
sie ins Weltall brachte, hieß Apollo 11. In weißen
Weltraumanzügen hopsten die Astronauten auf unbekanntem
Terrain, was den Mega-Popstar Michael Jackson zu dessen
legendären Moonwalk inspirierte. Heute interessieren sich
weniger die USA als die Inder und die Chinesen für eine
Mondmission, die extrem teuer ist. Der Mond gehört
niemandem, dazu gibt es einen 1967 zunächst von den
Vereinigten Staaten, Großbritannien und der ehemaligen
Sowjetunion bei der UNO unterzeichneten Weltraumvertrag.
Hundert weitere Länder schlossen sich an. Aber es gab
Überlegungen vom Lunar Research Institute in Arizona,
den Mond kommerziell zu nutzen. Larry Clark vom
Entwicklungslabor für Raumschifftechnologie würde gerne
fünf Zentimeter der Mondoberfläche nutzen. Auf dem Mond
gibt es Silizium zur Herstellung von Solarzellen, Eisen,
Aluminium, Titanium, Magnesium, Kohlenstoff und Stickstoff.
Ein weiterer Traum geht in Richtung Helium-3, das auf der
Erde nur wenig vorkommt. Denn die Atmosphäre und das
Magnetfeld schützen sie davor. Das Edelgas könnte in einer
Fusion zu Helium-4 verwandelt werden und Energie liefern.
Die Energie der Sonne besteht aus Helium-4. Bis diese
Ansätze realisiert werden, wird sicher einige Zeit ins
Land gehen. Die erste Apollo 11-Mission im Rahmen des
Kalten Krieges zwischen den Vereinigten Staaten und der
ehemaligen Sowjetunion kostete die USA schätzungsweise
25 Milliarden Dollar. Noch sind viele Länder mit der
Aufarbeitung der Finanzkrise beschäftigt. Der Mond war
für die Menschen vor der Erfindung des elektrischen
Lichts von anderer Bedeutung als heutzutage, wenngleich
Mondkalender in der Esoterikbranche boomen. Der Mond
beeinflusst auf jeden Fall die Gezeiten. Die australischen
Aborigines glauben, dass die Flut in den Mond fließt,
wodurch dieser rund und dick wird. Übrigens fand die
NASA im Jahre 2009 heraus, dass tatsächlich Wasser
auf dem Mond in Form von Eis existiert. Eine Untersuchung
der Case Western Reserve University unter James Van Orman
brachte die Gewissheit, dass der Wassergehalt im Mondgestein
soch hoch wie im Erdmantel sei. Wer sich außerhalb der
Wissenschaft und der Mythologie bewegt, wird dem Mond
selten einen großen Stellenwert einräumen. Vor allem dann
nicht, wenn derjenige in einer stets hell erleuchteten
Stadt lebt. Der englische Essayist Alfred Alvarez sprach
sogar davon, dass der Großstädter die Nacht und somit
auch den Mond vergisst. Dabei lebten die Menschen vor
der Industrialisierung mit der Sonne und dem Mond als
Lichtquellen, abgesehen von Feuer, Kerzen und Öllampen,
die Privilegierten vorbehalten waren. Es gab bewölkte
Nächte, die absolut dunkel waren. Das konnte manchem
Angst machen. Deshalb vielleicht auch die Mythologie
des Mondes. Die Römer der Antike teilten den Monat nach
den Mondphasen ein. Die Ägypter legten schon 3000 Jahre
vor Christus 365 für ein Jahr an und 30 Tage für einen
Monat. Die Wochen waren jeweils zehn Tage lang. Das Wort
"Montag" ist vom Mond abgeleitet und bis heute geblieben.
Nur die Mondkalender waren zu ungenau. Das Mondlicht ist
heute noch für die Nomaden der Sahara ein Wegweiser in
dunklen Nächten. Der Mond gilt in China als glücksbringend.
Am 15. Tag des achten Monats feiern die Chinesen das
Mondfest. Zur Feier kredenzen sie Mondkuchen mit Lotuskernpaste,
Wurst oder Eiern und alle betrachten den Mond. Nach Neujahr
ist dieses Fest das zweitwichtigste in China. Bei der
südasiatischen Heiltradition Ayurveda spielt der Mond auch
eine Rolle. Bestimmte Mondphasen verstärken das Gedeihen
von Heilpflanzen, so der Glaube. Und der deutsche Arzt
Franz Anton Mesmer (1734-1815) glaubte an unsichtbare
Flüssigkeiten, die er mit Magneten am Körper der Patienten
zu künstlichen Gezeiten verwandeln wollte. Vollmond
verheißt nichts Gutes. Noch heute meinen manche Zeitgenossen
schlechter zu schlafen, wenn das helle Mondlicht scheint.
Auch das Schlafwandeln wird manchmal dem Vollmond zugeschrieben.
Doch beide Phänomene konnten nicht begründet werden.
Weder Morde, noch Selbstmorde, Verkehrsunfälle, Messerstechereien
oder Notrufe können dem Mond angelastet werden. Das untersuchten
die US-amerikanischen und kanadischen Psychologen Ivan Kelly,
James Rotton und Roger Culver in 100 Studien. Der Mond beflügelte
Dichter, Denker, Liebende und Wissenschaftler. Und er wird es
noch weiter tun.
(c) Corinna S. Heyn
Literatur:
Bernd Brunner, Mond.
Die Geschichte einer Faszination.
Antje Kunstmann Verlag 2011.
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